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Geschichten vom haareschneiden

Heutzutage ist der Gang zum Friseur, zum Stylen der Haare unglaublich in. Der Besuch beim Barber gehört bei dem starken Geschlecht heute zum guten Ton und das vielleicht mehrmals im Monat.

Geschichten Vom Haareschneiden

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Als er gegangen war, hatte sie das Bettzeug auf seiner Seite nicht abgezogen. Jede Nacht legte sie sich in seinem Schlafanzug in sein Bett, der letzte Schlafanzug, den er angehabt hatte.

Name: Aubrette
Wie alt bin ich: ich bin 31

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D iesen Artikel können Sie sich auch vorlesen lassen. Steuern Sie die Wiedergabefunktion mit den Bedienelementen des Players. Die Auffassung meiner Eltern von der Erziehung ihrer Kinder beruhte im Wesentlichen auf dem, was sie in ihrer Jugend in Nazideutschland gelernt hatten: Absoluter Gehorsam und volle Kontrolle.

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Ich bekam die wichtigsten Grundlagen eingebläut, immer pünktlich zu seinniemals zu lügen und vor den Eltern keine Geheimnisse zu haben. Diskutiert wurde darüber nicht, denn wer diskutierte war schwach und ohne eine feste Meinung. Wer keine feste Meinung hatte, galt meinem Vater als charakterlos. Ich höre ihn heute noch sagen: Eine Diskussion macht nur Sinn, wenn mein Gegenüber sich auch von meiner Meinung überzeugen lässt.

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Zur Unterstreichung seiner Grundsätze hatte ein Lederriemen mit Koppelschloss in der Küche einen festen Platz. Auslöser war einmal wieder das leidige Thema Haare schneiden. Für ordentlich geschnittene Haare sorgte meine Mutter mit ihrer Haushaltsschere; jedenfalls bei uns Kindern, solange wir noch nicht zur Schule gingen.

Der unglücklichste Abschnitt des Tages begann meistens nach ausführlicher Musterung mit den Worten: Wie siehst du eigentlich wieder aus? Deine Haare sind doch viel zu lang und müssen dringend wieder gekürzt werden.

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Am nächsten Tag wurde ich dann der Prozedur unterworfen und dank Mutters nicht gerade scharfer Haushaltsschere riss und ziepte es an meiner Kopfhaut. Stell' dich nicht so anwar ihr ganzer Kommentar, wenn ich jammerte, weil sie mir mit ihrer stumpfen Schere wehtat. Erlernt hatte sie Buchhaltung, nicht das Friseurhandwerk, entsprechend war das Ergebnis ihrer Bemühung.

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Was an Frisur nicht mit der Schere zu erreichen war, wurde dann mit Haarklammern korrigiert. Wegen der Wirbel bekam ich auch einen ordentlichen Scheitel auf der rechten Seite, was zur Folge hatte, dass mir die Haare immer nach links in die Stirn und Augen hingen und zur Korrektur des unglücklichen Schnitts mit Haarklammern festgesteckt wurden.

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Bei den Kindern in der Nachbarschaft war es ähnlich, auch deren Mütter stutzten ihren Kindern die Haare. Im Vergleich mit den anderen gab es also kaum erkennbare Unterschiede in den Frisuren.

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Demzufolge gab es auch keine Hänseleien wegen der Haarmode. Gerne habe ich dieses Procedere nicht über mich ergehen lassen, zumal mein Vater bestimmte, welche Frisur ich zu tragen hatte.

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An den Seiten und am Hinterkopf schön kurz, mit einem ordentlichen Scheitel, und oben durfte es etwas länger sein. Wir Kinder nannten das Pisspottschnitt und ich stellte mir dabei vor, wie man mir einen Nachttopf aufsetzte, um alle Haare, die darunter hervorschauten, einfach abzuschneiden. Als ich älter wurde, aber noch nicht zur Schule ging, gab meine Mutter das Haareschneiden auf und ging mit mir an der Hand in das Krankenhaus Heidberg zu einem Herrenfriseur, der im Keller eines der Bettenhäuser seinen Salon betrieb.

Seine Kundschaft bestand hauptsächlich aus alten Glatzköpfen und den Patienten des Krankenhauses.

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Dieser Gebäudekomplex war in den Jahren - als SS-Kaserne für die Einheit Germania erbaut und erst nach Kriegsende in ein Krankenhaus umgewandelt worden. Der ganze Gebäudekomplex verbreitete noch immer die Atmosphäre seiner ganzen unseligen Kasernenvergangenheit. Was die Vorstellungen und Ansichten meiner Eltern anging, so schien es mir, hatte sich auch da noch nicht viel geändert.

Im Souterrain roch es schon nach Seife und Parfum und man hörte schon das Schnipp … Schnipp … der Schere. Mir kam der Friseur uralt vor und ich hatte ein ungutes Gefühl, als ich an die Reihe kam. Der Kunde vor mir erhob sich von dem hölzernen Frisierstuhl, der sogleich mit einem breiten Pinsel von Haaren befreit wurde.

Der Friseur ging bei seiner Arbeit ganz anders vor als meine Mutter: Er schubste meinen Kopf unsanft nach rechts oder links, nach unten und nach oben, wie es für ihn gerade am bequemsten war. Nahm ich dem Kopf zurück in eine bequemere Stellung, schubste er noch unsanfter und gab mir sogar eine Kopfnuss. Wünsche nach meiner Frisur beachtete er nicht, Faconschnitt war von Mutter gewünscht und Pisspott konnte er. Meine Eltern waren mit dem Ergebnis sehr zufrieden und lobten das, was ich körperlich als Kahlschlag und seelisch als grausame Niederlage empfand.

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Mit Beginn meiner Schulzeit wurde der Besuch bei diesem Friseur für mich immer mehr zur Qual. Ich sah mich zunehmend Hänseleien ausgesetzt, wenn ich am Tag nach dem Friseurbesuch in die Schule kam. Meine Mitschüler trugen damals, zu Beginn der er Jahre, die Haare schon unterschiedlich lang und über die Ohren. Meine Kurzhaarfrisur fiel derart aus dem Rahmen, dass mir Hohn und Spott meiner Mitschüler sicher waren. Besonders mein Scheitel auf der rechten Seite veranlasste zu Spekulationen über meinen Charakter, oder gar über meine Gemütsempfindungen. Selbst im Erwachsenenalter sind mir diese Stereotype immer wieder begegnet, die von einigen Zeitgenossen offenbar als Orientierungshilfe benötigt werden.

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Dieses Stigma begleitete mich denn auch einige Jahre, aber ich probierte verschiedene Dinge aus, um wenigstens die lästigen Haarklammern loszuwerden. Einige Mitschüler, es war die Zeit des Rock 'n' Rolls, hatten sich mit Hilfe von Frisiercremes eine fettglänzende Elvis-Tolle gemacht. Für meinen Geschmack sah das zwar ziemlich schmalzig aus, aber einigen Mädchen schien das zu gefallen, deshalb probierte ich die Brisk-Haarcreme aus.

Der Erfolg waren eklige fettige Haare, die ohne die Haarklammern an der Kopfhaut klebten.

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Aber besser sah das nicht aus und so wollte ich auf keinen Fall gesehen werden. Als Vierzehnjähriger probte ich dann den Aufstand und widersetzte mich massiv den elterlichen Forderungen nach einer ordentlichen Frisur.

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Er war nämlich Kriminalbeamter und hatte es den ganzen Tag mit Spitzbuben zu tun. Wie siehst du denn wieder aus, deine Haare hängen ja schon wieder über die Ohrentönte er. Mit meinem Fahrrad, doch ohne Geld, warmer Kleidung oder etwas zum Essen machte ich mich davon. Nach drei Tagen traute ich mich spät abends ins Haus zurück, in der Hoffnung, unbemerkt noch einige persönliche Sachen holen zu können.

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Dabei lief ich meinen Eltern direkt in die Arme. Nach diesem Vorfall hatte ich jetzt derart Oberwasser und fing an, meinen Vater gründlich und absichtlich zu ärgern.

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Fortan knallten die Türen und es war Revolution im Hause, aber geschlagen hat er mich nicht mehr. Heute bin ich nicht gerade stolz, wenn ich auf diese Zeit zurückblicke. So unvorbereitet war diese spontane Flucht Lesen Sie auch meine Geschichte: Vater und Sohn, ein Schwieriges Verhältnis zum Scheitern verurteilt. In diesen drei Tagen habe ich mir alles Mögliche durch den Kopf gehen lassen, vorrangig, wie es nun weitergehen sollte. Auf einem der Dampfer, die zu Hauf im Hafen lagen, als Schiffsjunge anzuheuern, war für mich als Hamburger eine gute Möglichkeit weit weg zu kommen.

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Für einen vierzehnjährigen unmündigen Heranwachsenden ohne die Unterstützung der Eltern leider undurchführbar, wer hätte mich denn mit an Bord nehmen sollen? Zwei Jahre später begann meine Ausbildung zum Fernmeldehandwerker zunächst mit dem Erlernen der Metallbearbeitung. Langhaarige Lehrlinge mussten wegen der Unfallverhütungsvorschriften dort an den Dreh- und Bohrmaschinen bei der Arbeit Haarnetze tragen, ich sah aus wie meine Oma! Viel später las ich einen Satz von Wilhelm Busch, dem ich heute nur zustimmen kann: Scheint dir auch mal das Leben rau, sei still und zage nicht, die Zeit, die alte Bügelfrau, macht alles wieder schlicht.

Heute habe ich keine Probleme mehr mit meinem Frisör, der nach der Rechtschreibreform eingedeutscht mit ö geschrieben wird. Viel lässt sich sowieso nicht mehr an Frisur gestalten, den Scheitel trage ich jetzt in der Mitte und der wird jedes Jahr breiter ….

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Die 50er - 70er Jahre Einschulung, Ausbildung, Tanzstunde Die 50er - 70er Jahre Die 50er - 70er Jahre Einschulung, Ausbildung, Tanzstunde Die 50er - 70er Jahre. Diese Seite anzeigen im … Bildschirm-Modus Lesemodus Normal Lesemodus Kontrast D iesen Artikel können Sie sich auch vorlesen lassen. Leider unterstützt dein Browser dieses Audio Element nicht.

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Eine haarige Geschichte Die Auffassung meiner Eltern von der Erziehung ihrer Kinder beruhte im Wesentlichen auf dem, was sie in ihrer Jugend in Nazideutschland gelernt hatten: Absoluter Gehorsam und volle Kontrolle. Viel lässt sich sowieso nicht mehr an Frisur gestalten, den Scheitel trage ich jetzt in der Mitte und der wird jedes Jahr breiter … [1] Siehe Lutherbibel, Jesus Sirach 1 Wer seinen Sohn lieb hat, der wird ihn stets züchtigen, dass er bis ins Alter Freude an ihm habe.

Autor: Hartmut Kennhöfer August Artikel drucken.